In der jüngsten Sitzung der Verbandsversammlung des Regionalverbands
Bodensee-Oberschwaben wurde auch das überraschende Ende des Prüfprozesses
für ein mögliches Biosphärengebiet Oberschwaben thematisiert. Die
widersprüchliche Rolle der CDU im Land und in den Kommunen fällt hierbei
besonders ins Auge.
Auf Landesebene hat die CDU den Koalitionsvertrag mitverhandelt, in dem der
Prüfprozess ausdrücklich festgeschrieben wurde. Damit erhielt das Vorhaben ein
offizielles politisches Mandat und wurde überhaupt erst gestartet. Wer ein solches
Verfahren in einem Koalitionsvertrag verankert, übernimmt Verantwortung für
einen transparenten und fairen Ablauf.
Ganz anders jedoch das Bild in vielen Kommunen der Region: Dort tauchten
wiederholt wortgleiche Anträge der jeweiligen CDU-Fraktionen auf, die auf einen
schnellen Ausstieg aus dem Prüfprozess drängten. Diese Vorgehensweise führte
unter anderem in Bad Wurzach und Bad Waldsee zu vorzeitigen Rückzügen und
schwächte das Projekt schrittweise von innen heraus.
Wer auf Landesebene die Tür öffnet und sie auf kommunaler Ebene
systematisch wieder zuschlägt, betreibt ein politisches Doppelspiel – und das
geht am Ende zulasten der ganzen Region.
Besonders befremdlich ist, dass auch der Steuerungskreis vorzeitig die Reißleine
gezogen hat – noch bevor alle Kommunen ihre Beratungen und Beschlüsse
abschließen konnten. Damit wurde mehreren Gemeinden faktisch die Möglichkeit
genommen, den Prüfprozess zu Ende zu führen und auf Grundlage vollständiger
Informationen eine eigene Entscheidung zu treffen. Ein demokratisch sauberer
Schlussstrich sieht anders aus.
Der eigentliche Sinn des Prüfprozesses – Information, Beteiligung und ein
geordnetes, ergebnisoffenes Verfahren – ist damit konterkariert worden. Das abrupte
Ende sendet ein fatales Signal an alle Gemeinden, die sich ernsthaft an der Prüfung
beteiligen wollten, ebenso wie an Bürgerinnen und Bürger, die sich aktiv eingebracht
oder weitere Informationen erwartet hatten.
In der Verbandsversammlung wurde daher kritisch nachgefragt, welche fachlichen
und klimarelevanten Folgen dieser Abbruch nun für die Region hat, insbesondere mit
Blick auf Moorschutz, CO₂-Speicherung und langfristige regionale
Entwicklungsstrategien. Die Verwaltung wurde um eine Einschätzung gebeten,
inwieweit die entstandene Lücke kurzfristig oder mittelfristig geschlossen werden
kann.
Konflikte wären im weiteren Verlauf des Prüfprozesses sicher unvermeidbar
gewesen – aber sie gehören zu einem solchen Verfahren dazu und sind dort auch
lösbar. Gerade der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben verfügt über
langjährige Erfahrung darin, komplexe Interessen auszuhalten, sorgfältig abzuwägen
und tragfähige Lösungen zu entwickeln. In regionalen Planungsprozessen wird nie
jede einzelne Position vollständig erfüllt, doch es entstehen Kompromisse, die viele
Ziele miteinander verbinden und Antworten auf große gesellschaftliche
Herausforderungen ermöglichen.
Mit dem abrupten Ende des Prüfprozesses verliert Oberschwaben jedoch die
Chance, diesen notwendigen Willensbildungsprozess zu Ende zu führen. Eine
Region, die Konflikte konstruktiv bearbeiten könnte, wird stattdessen um die
Möglichkeit gebracht, ein gemeinsames Ergebnis zu entwickeln, das auf
Transparenz, Beteiligung und fachlicher Abwägung beruht.
